Irland – der "keltische Tiger"
Irland – spätestens seit Heinrich Bölls "Irischem Tagebuch" hatte die grüne Insel den Ruf eines Geheimtipps für Aussteiger. Mittlerweile ein beliebtes Ziel für Sehnsuchtstouristen, hat die kleinere der beiden großen britischen Inseln den Nimbus des Geheimnisvollen weitgehend verloren. Und auch mit der Beschaulichkeit ist es vielerorts vorbei.
Romantiker mögen es beklagen, die meisten Iren begrüßen es uneingeschränkt – seit Beginn der 90er Jahre kann sich der "keltische Tiger" mit dem Titel der dynamischsten Volkswirtschaft Westeuropas schmücken. Satte Wachstumsraten von bis zu 11,5 % bescherten Irland ein Wirtschaftswunder, in dessen Gefolge das Bruttosozialprodukt pro Kopf von 8.500 $ (1989) auf 22.660 $ (2000) stieg. Damit haben die Iren mittlerweile Länder wie Italien, Australien und Kanada überholt. Zuletzt hat sich im Gefolge der internationalen Konjunkturentwicklung auch in Irland das Wachstum etwas abgeschwächt; mittelfristig bleiben die Aussichten aber sehr positiv. Die Arbeitslosenquote lag 2002 um die 4%. Viele Insulaner reiben sich heute immer noch verwundert die Augen: Wanderten in früheren Zeiten Millionen von Iren auf der Suche nach Arbeit aus, so begehren heute Ausländer Zugang zum irischen Arbeitsmarkt, um vom allgemeinen Aufschwung zu profitieren. Irland ist gerade dabei zum Einwanderungsland zu werden.
Dabei sind die Chancen, auf dem irischen Arbeitsmarkt zu reüssieren, allerdings ungleich verteilt. Bedarf an Arbeitskräften besteht vor allem im Bereich der hochqualifizierten Jobs und im Dienstleistungssektor; in vielen traditionellen Branchen ist dagegen die Lage nicht besser als im Ex-Wirtschaftswunderland Deutschland.
Viele internationale Unternehmen, vor allem solche der IT-Branche, haben Irland zu ihrer europäischen Operationsbasis erkoren, von der aus sie auch die kontinentalen Märkte bedienen. Der Bedarf an Spezialisten ist auf dem irischen Arbeitsmarkt kaum zu decken. Nicht selten werden hier auch qualifizierte Mitarbeiter mit festlandeuropäischen Sprachenkenntnissen gesucht. Da solche in Irland selbst nicht auf den Bäumen wachsen, haben Ausländer hier recht gute Chancen.
Für geringer qualifizierte Arbeitnehmer interessant ist z.B. die Tätigkeit in einem irischen Call-Center. Diese Branche ist in den letzten Jahren explosionsartig gewachsen und hat immer Bedarf an kontinentaleuropäischen Muttersprachlern.
Aus allem oben Gesagten wird klar: Irland, die letzte Hoffnung mitteleuropäischer Romantiker, ist im modernen Kapitalismus mit all seinen Segnungen und Flüchen angekommen. Gemütvoll und entspannt ist das irische Alltagsleben vor allem nach Feierabend. Die Arbeitswelt ist dagegen meist so hektisch und fordernd wie andernorts auch.
Einen Überblick über die aktuellste Entwicklung des irischen Arbeitsmarkts gibt eine Studie der irischen Arbeitsvermittlungsorganisation FAS:
http://www.fas.ie/FAS_Review
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