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Jobben in den USA - ein Erfahrungsbericht
 
Verena Knetschowsky hat 3 Monate in einem Hotel bei New York gearbeitet. Hier ist ihr Erfahrungsbericht:

"Amerika, ich komme !!!"

Mein persönlicher Erfahrungsbericht über meine Zeit als "Chambermaid" im Hotel auf Shelter Island, Sommer 2002

Für ein paar Monate ins Ausland - das wollte ich schon immer gerne, und da ich nach dem Abitur irgendeine Veränderung wollte und mir noch nicht 100%ig über meinen Studienwunsch sicher war, sah ich hier den richtigen Zeitpunkt. Nun stellte sich die Frage: Wohin möchte ich, und was möchte ich überhaupt machen? 
 
Eine Sprachreise war mir zu teuer, und außerdem wollte ich auch nicht direkt von der Schule in eine neue Schule. Lieber wollte ich irgendwo jobben und dabei automatisch die Sprache lernen. Da mein Englisch nie sonderlich gut war, wollte ich gerne in ein englischsprachiges Land. Australien hätte mich sehr interessiert, allerdings fand ich hierfür keine passende Organisation. England war mir irgendwie zu nah, und so kam ich auf Amerika.

Eine Freundin von mir entdeckte zufällig im Internet die GIJK (Gesellschaft für internationale Jugendkontakte), die u.a. junge Leute für ca. 3 Monate nach Amerika vermittelt, um dort in Camps oder Resorts zu arbeiten. Ich entschied mich für das Programm Resort America, da es mich mehr reizte, einen Hotelbetrieb kennen zu lernen, und außerdem waren mir die festen Arbeitszeiten sympathisch. Und bei freier Unterkunft, Verpflegung, Flug und einem Taschengeld von 1100 US-$ für 12 Wochen waren die Kosten für Vermittlung, Versicherung usw. verhältnismäßig gering.

Schon kurze Zeit später war ich auf einer Jobbörse der GIJK, auf der Manager verschiedener Hotels waren, bei denen man sich persönlich vorstellen konnte, um sich somit für einen Job zu bewerben. Da mein Englisch wie gesagt nicht so gut war, hatte ich zuerst Pech und bekam von einem Hotel, bei dem ich mich vorstellte, eine Absage. Etwas enttäuscht war ich schon, ging aber wenige Minuten später mit neuem Mut zu einem anderen Hotel und stellte mich erneut vor. Diesmal hatte ich Glück; der Hotelmanager und ich unterhielten uns gut, er erzählte mir etwas über sein Hotel, und kurz darauf bot er mir den Job als Zimmermädchen an.

Natürlich denkt man im ersten Moment, dass dies nicht gerade der Traumjob ist. Allerdings wurden mir auch einige Vorteile an diesem Job bewusst, wie z.B. geregelte Arbeitszeiten, Bewegung und nicht der Druck perfektes Englisch können zu müssen, und somit sagte ich dem Job zu.

Nun war es sicher: Ende Juni, direkt einen Tag nach der feierlichen Verabschiedung in meiner Schule, sollte es los gehen; drei Monate Amerika, neue Leute, andere Sprache und eine völlig neue Umgebung. Natürlich kamen mir Gedanken wie "Werde ich mich dort wohl fühlen?" oder "Was ist, wenn ich mit der Sprache, den Leuten oder dem Job nicht klarkomme?". Aber trotz alledem freute ich mich unheimlich auf das, was mich erwartete.

Und schon kurze Zeit später saß ich im Flugzeug nach New York. Zum Glück mit vier Teilnehmern von Camp America - so war es möglich, sich noch über alle möglichen Gedanken zu unterhalten. In New York angekommen, ging es die erste Nacht erst mal in ein Hotel, in dem viele Resort- und Camp-America-Teilnehmer übernachteten, bevor es am nächsten Morgen zu den Hotels bzw. Camps weiterging.


...angekommen...Das Hotel, in dem ich arbeiten sollte, lag ca. zweieinhalb Stunden von New York entfernt auf einer Insel (Shelter Island) neben Long Island. Trotz Hotelprospekt und einigen Informationen aus dem Internet hatte ich nur ungenaue Vorstellungen, was mich tatsächlich erwarten sollte. Um so aufgeregter war ich, als ich dann alleine im Zug saß, und Richtung Shelter Island fuhr, doch der Hotelmanager empfing mich freundlich und stellte mir einige Mitarbeiter vor.


Obwohl ich vorher noch dachte, um mein Englisch zu verbessern wäre es gut, wenn keine anderen Leute aus Deutschland dort wären, war ich doch sehr froh, als ich drei andere deutsche Mädchen kennen lernte, die ebenfalls mit Resort America da waren. Außerdem arbeiteten dort auch - neben Amerikanern natürlich - Polen, Russen, Franzosen, Mexikaner und noch Leute anderer Nationalitäten. Ein ganz gemischtes Team also, was mir sehr gut gefiel. Außerdem waren alle Mitarbeiter ziemlich jung, ca. zwischen 19 und 30 Jahren, wodurch die Atmosphäre sehr locker wirkte.

Ich muss sagen, vom Hotel war ich beeindruckt. Es war sehr stilvoll und lag direkt am Meer. Mit 20 Zimmern war es nicht gerade groß, allerdings gehörte hierzu ein größeres Restaurant und eine Bar.

Die ersten beiden Tage musste ich noch nicht arbeiten, worüber ich sehr froh war, da ich so die Möglichkeit hatte, mich erst etwas besser zurechtzufinden, die Leute kennen zu lernen und die Insel etwas zu erkunden. Die Natur war einfach herrlich, überall gab es Rehe und Streifenhörnchen, viele Strände und einen kleinen Hafen. Die für Amerika typischen Ketten McDonald's und Co. gab es hier nicht.

...Cabin mit echten Rehen...Die meisten Mitarbeiter wohnten in Cabins, das waren kleine Häuschen, die ca. 2-3 Schlafzimmer, Badezimmer, Wohnzimmer und Küche bzw. Wohnküche hatten. Von diesen Cabins gab es mehrere, die alle auf einer großen Wiese standen, die ca. 10 Minuten mit dem Fahrrad vom Hotel entfernt war. Ein Fahrrad wurde mir auch zur Verfügung gestellt, womit man alles auf der Insel gut erreichen konnte, wie Supermarkt, Apotheke usw.

Die ersten beiden Nächte schlief ich im Hotel, da die Cabins ziemlich voll waren, doch am dritten Tag konnte ich auch in eine Cabin einziehen, in der ich mir ein Zimmer mit Silja und Patricia teilte, zwei der Mädchen, die ebenfalls aus Deutschland kamen und mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand. Außerdem wohnten wir mit zwei Amerikanern (Josh und Chris) und zwei Franzosen (Laurent und Vincent) zusammen. So war es zu siebt zwar voll in unserer Cabin, und man musste sich dran gewöhnen auf das Bad auch mal länger warten zu müssen, jedoch hatte man immer jemandem zum Reden, und es wurde nie langweilig.

Auf meinen ersten Arbeitstag war ich sehr gespannt. Schon einen Tag vorher wurde mir Gosia vorgestellt. Sie kam aus Polen, war auch mit Resort America da, und arbeitete mit mir zusammen. Da sie schon einige Wochen auf Shelter Island war, zeigte sie mir alles und erklärte mir unsere Aufgaben.

...bei der Arbeit...

Der Arbeitstag, der meistens um acht anfing, begann damit, das Büro des Managers sowie die Rezeption und die Toiletten sauber zu machen. Danach wurde der Housekeeping Report durchgegangen, eine Liste auf der die Belegung der einzelnen Zimmer stand. Wer checkt ein? Wer aus? Und wer bleibt eine weitere Nacht? Die sogenannten stay over Räume, die noch blieben, wurden meist zuerst gereinigt. Handtücher wurden gewechselt, Badezimmer geputzt, Betten gemacht und die Minibar aufgefüllt. Die Zimmer, in denen Gäste auscheckten, mussten komplett gereinigt werden, damit neue Gäste rein konnten. Manchmal hinterließen die Gäste auch ein Trinkgeld, das wir untereinander aufteilten. Wenn alle Zimmer sauber waren, wurden Treppen und Balkone gefegt.

...mit Aneta (aus Polen)...

Meistens war man mit allem um ca. vier Uhr fertig, aber natürlich gab es auch Pausen, in denen gegessen wurde. Außerdem war es nett, sich ab und zu mit den Hotelgästen zu unterhalten, die oft mit Begeisterung auf das internationale Hotelteam reagierten.

Da das Wetter, besonders im Juli und August, fast immer gut war, ging es nach der Arbeit meist zum Strand, wo man sich mit anderen Mitarbeitern, die frei hatten, traf. Bei Eiskaffee oder anderen kühlen Getränken wurde am Strand gequatscht, der weitere Tag geplant, im Meer geschwommen oder einfach nur relaxt. Abends wurden öfters Partys gefeiert, in die Tavern gegangen (eine Art Bar auf der Insel) oder man traf sich zum gemeinsamen DVD-Gucken in den Cabins. Auch Ausflüge nach Long Island in die Hamptons machten wir, da einige der Amerikaner mit Autos da waren, und es somit kein Problem war, auch etwas weiter weg zu fahren.

...abends...

...am Strand...

...abspannen und genießen...

...motorisiert...

Normalerweise hatte ich zwei Tage die Woche frei, obwohl ich in der Hauptsaison auch oft einen Tag mehr arbeitete und dafür im September öfters mal drei Tage frei hatte. Um noch etwas Taschengeld dazu zu verdienen, faltete ich einmal die Woche Servietten für's Restaurant.

An den freien Tagen erledigte ich meist Dinge, für die ich die restliche Woche keine Zeit hatte, so wie einkaufen, Briefe und E-Mails schreiben, Wäsche waschen oder - und das war natürlich das Beste - Ausflüge machen. Z.B. nach Long Island oder nach New York.

Besonders auf meinen ersten Trip nach New York war ich sehr gespannt, da ich bei meiner Ankunft außer dem Flughafen (J.F.K.) davon nicht viel gesehen hatte. Das erste Mal fuhr ich dann mit Patricia für einen Tag nach New York. Sie war schon einige Wochen vorher da gewesen und kannte sich somit schon etwas aus. Als wir ankamen und ich aus unserem Bus von Shelter Island ausstieg, war ich überwältigt. New York mit seinen endlos hohen scy scrapers war der komplette Gegensatz zu Shelter Island.

...auf der Fähre...

Das pulsierende Leben auf den Straßen Manhattans und die multikulturellen Menschen, die im Verhältnis zu den Häusern so winzig klein waren, beeindruckten mich. Natürlich wollte ich möglichst viel von New York sehen, und so ging es zuerst zum Empire State Building, von dem aus man eine tolle Aussicht hatte. Später war shoppen in China Town angesagt, wo es die günstigsten Taschen, Uhren und Schmuck gab. Am Times Square mussten natürlich auch Fotos gemacht werden, und nach einem langen, aber aufregenden Tag ging es abends wieder zurück auf unsere Insel. Mir war aber natürlich klar, dass es noch viel mehr in New York zu sehen gab, und so fuhr ich zwei weitere Male dort hin.

...mit Patricia auf dem Empire State Building...

Einmal u.a. für vier Tage im September, da zu dieser Zeit das Hotel nicht mehr voll ausgebucht war und Silja (mit der ich dieses Mal nach New York fuhr) und ich somit etwas länger frei haben konnten. So kam es auch, dass unsere freien Tage durch Zufall auf den 11.September fielen. Genau ein Jahr nach dem Anschlag auf das World Trade Center. Die Vorstellung an diesem Tag in New York zu sein machte uns nachdenklich, und wir überlegten, ob wir wirklich fahren sollten. Schließlich aber beschlossen wir doch zu fahren. An diesem Tag war, wie man sich denken kann, eine gedrückte, traurige Stimmung in New York. Wir gingen zum Ground Zero, wo das World Trade Center gestanden hatte und wo am 11.September 2002 alle Namen der Verstorbenen vorgelesen wurden. Endlos kam mir diese Aufzählung vor, und mir wurde nochmals, anders als man es aus Zeitung und Fernsehen schon kannte, bewusst, wie schrecklich und grauenvoll es an diesem Tag ein Jahr zuvor gewesen sein musste.

An den darauf folgenden Tagen war die Stimmung in New York jedoch wieder, wie ich sie zuvor kennen gelernt hatte, was mich irgendwie erschrocken hat. Silja und ich nutzten unsere noch verbleibende Zeit zum ausgiebigen Shoppen, zu einem Besuch im Broadway-Musical "The Phantom of the Opera" und zum relaxen im Central Park.

Obwohl mir Großstädte gefallen, und mir besonders New York sehr gut gefiel, war ich trotzdem froh, als ich nach vier Tagen wieder zurück nach Shelter Island kam, wo die Luft so viel sauberer und die Natur so schön war. Mir wurde außerdem bewusst, was der Urlaub in dem Hotel, in dem ich arbeitete, für die Gäste, die meist aus New York kamen, zu bedeuten hatte. Dieser Kontrast war wie zwei verschiedene Welten, die doch so nahe sind.

...Bekanntschaften: Nick, Ty, Karo, Silja, Verena und Patricia (v.l.)So vergingen die drei Monate in Amerika wie im Fluge. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich an diese Umgebung so gewöhnen könnte und so viele Freundschaften entstehen würden. Mein Englisch wurde vielleicht nicht perfekt, jedoch fiel es mir um einiges leichter zu verstehen und auch spontan zu reden. Trotz der Arbeit, die oft hart und anstrengend war, blieb mir genug Freizeit. Heute, gut ein Jahr später, denke ich noch sehr oft an diese Zeit. Immer wieder fallen mir einzelne Situationen ein, an die ich mich mit Freude erinnere. Ich denke, dass sich daran auch nie was ändern wir und mir diese Zeit als positive Lebenserfahrung immer in meinem Gedächtnis bleiben wird.

Da ich diesen Sommer für mein Studium (Architektur) in eine andere Stadt gezogen bin, blieb mit nicht allzu viel Zeit, aber hätte ich die Zeit gehabt, dann hätte ich sicherlich versucht meinen Amerika-Aufenthalt zu wiederholen, und wer weiß - vielleicht kann ich nächstes Jahr schon wieder sagen "Amerika, ich komme!"

Ich kann nur allen, die an einem Auslandsaufenthalt interessiert sind, dazu raten, da diese Erfahrung einem nie wieder genommen werden kann.


Verena Knetschowsky
 
 
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