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Work and Travel in Australien - ein Erfahrungsbericht

Annabelle Bini war mit einem Work-and-Travel-Programm in Australien. Was sie erlebt hat, schildert sie hier:

Live and Love Down Under

Für ungefähr 11 Monate war ich in Australien und empfand es von Anfang bis zum Ende als eine abenteuerliche Schicksalsreise, welche mit guten sowie schlechten Zeiten die beste Entscheidung meines Lebens war!

Angetrieben von meinem langersehnten Urlaubswunsch, Freiheitsdrang und Abenteuerlust entschloss ich mich im Mai 2002, durch eine Agentur ein Work-and-Travel-Jahr in Australien zu verbringen. Nach dem Abitur habe ich schließlich in der lokalen Keksfabrik auf die 7-monatige Reise hingearbeitet und im September sollte es dann losgehen.

Als der Termin näher rückte und die Nervosität stieg, war mir schon ein bisschen mulmig dabei, meine Familie und Freunde für so lange Zeit zu verlassen. Dieses drückte sich schließlich in Reisefieber, Kopfschmerzen und Verdauungsproblemen aus - und das 2 Tage vor meinem Abflug! Abschied und die Angst vor Neuem sind immer ziemlich schwer, doch sobald ich in Frankfurt am Flughafen die 60 anderen Reisemutigen antraf, war ich plötzlich wieder kerngesund.

Nach einem kleinen, eintägigen Aufenthalt in Singapur erreichten wir endlich die große Insel. Kurz nach Sonnenaufgang wurden wir in Sydney empfangen und als erstes zum berühmten Bondi Beach gefahren, welcher stets von vielen Frühsportlern besucht wird. Der erste Tag, mit Jetlag, Müdigkeit und ein wenig Hilflosigkeit in der 3-Millionen-Menschen-Stadt, war ziemlich konfus und gewöhnungsbedürftig, aber so fängt halt jeder an. Neben Hunderten von neuen Eindrücken bekommt man Tausende von Flyern, werbend für Reiseunternehmen, Urlaubsziele, Unterkunft und vielem mehr, in die Hände gedrückt, welche deine Entscheidungen eher erschweren als erleichtern. Nachdem diese entsorgt wurden, ging es erst mal daran diese wahnsinnig große Stadt zu erkunden.

Da ich vorerst keine Reisepläne hatte, sehr nette Freunde gefunden und super viel Spaß hatte, bin ich - wie so viele andere Backpacker - für 3 Monate in der wundervollen Metropole "versackt". Allerdings verstand ich es ein wenig zu gut, mein erspartes Geld auf den Kopf zu hauen, und musste schon nach der ersten Woche feststellen, dass ich so nicht weit kommen würde. Also war Jobsuche angesagt.

Dies geschieht meistens ganz einfach durch Zeitungsaufschlagen, direktes Anfragen in Restaurants und Geschäften oder durch eine Jobvermittlung - wie bei mir. Schon nach kurzer Zeit wurde mir ein Job bei einer Eventagentur vermittelt, wo ich als Kassiererin und Bedienung auf großen Festivals und Events bis zum Sonnenaufgang arbeitete. Die Bezahlung war gut, das Team, mit dem ich arbeitete, super!

 Was für Reisende, die arbeiten möchten genau wie hier in Deutschland, von Vorteil ist, sind Ausbildungen und Berufserfahrungen, die nachgewiesen werden können. Doch man kann auch nur mit gutem Willen einen anständigen Job finden. Es kommt natürlich auch häufig auf die Saison an. Im Sommer arbeiten nämlich die australischen Studenten, und die Großstädte sind überfüllt von Backpackern. Daher versuchen sich viele Reisende auch als Erntehelfer auf Plantagen oder Bauernhöfen.

Durch Freunde und Kontakte gelang es mir und einer Freundin daraufhin sogar für einen Monat in einer kleinen, gutausgestatteten Wohnung in der City kostenlos zu hausen. Die kakerlakenbewohnten Backpacker Hostels sind auf die Dauer nämlich nicht so das Wahre.

Vom Glück verfolgt, durfte ich im Dezember meine Cousins 3. Grades in Brisbane kennen lernen und wurde von ihnen eingeladen, Weihnachten mit ihnen zu verbringen. Durch die Familie habe ich sehr viel über das Leben in Australien gelernt, was normale Reisende möglicherweise verpassen würden. Daher ist es zu empfehlen, während des Auslandsaufenthaltes, am besten zu Beginn, für einige Wochen bei einer Gastfamilie zu wohnen. Viele verbinden dies mit einem Englischkurs am College, andere arbeiten als Aupair.

Von meinem Langzeitwunsch getrieben, habe ich das schöne Neuseeland im Januar für 3 Wochen besucht. Trotz gutem Wetter, traumhafter Landschaften und freundlicher Einwohner war ich schließlich froh, wieder in Sydney zu landen, welches sich schon wie eine zweite Heimat anfühlte.

Dort durfte ich bald auch meine Mutter empfangen, die für 3 Wochen zu Besuch kam. Zusammen haben wir eine Tour nach Alice Springs, Adelaide und Melbourne gemacht, welche wir beide sehr genossen haben. In Ayers Rock haben wir z.B. unter sternklarem Himmel in sogenannten "Swags" geschlafen - einfach atemberaubend!

Die folgenden zwei Monate habe ich bei Freunden in Sydney gewohnt und für sie als Babysitter gearbeitet, um mein Konto wieder ein bisschen aufzufüllen. In dieser Zeit habe ich mich dazu durchgerungen Mitglied bei dem örtlichen Fitnessstudio zu werden, da ich wie die meisten Backpacker einige Kilogramm zugenommen habe. Um das Essen braucht ihr euch demnach keine Sorgen zu machen. Ich habe neben meiner neuen Leidenschaft für japanisches Essen sogar meine Scheu vor Roter Beete und Pilzen überwunden. Für Leute mit Heimweh gibt es aber auch deutsche Produkte zu kaufen.

Als meine Zeit im März dem Ende zuging, habe ich mich entschlossen meine Versicherung zu verlängern und weitere 4 Monate in Australien zu bleiben. Wie gerufen, habe ich in Sydney auf einer Backpacker-Expo ein Busticket nach Cairns gewonnen und wollte diese Reise Ende April antreten.

Doch wie das Schicksal einem manchmal ein Bein stellt, habe ich weitere zwei Monate gebraucht, um Brisbane wieder zu verlassen. Denn nachdem ich meine Cousins dort wieder besucht hatte, bot mir einer von ihnen einen Aushilfsjob in seinem Büro an. Natürlich sagt man bei so einer Gelegenheit nicht nein und so wurde ich zur "Ersatzsekretärin" bei The Coffee Club, einer erfolgreichen Restaurantkette in Australien! Mit kleinen Anfangsschwierigkeiten am Telefon und dem Autofahren, war es eine echte Herausforderung, aber dafür die beste Berufserfahrung, die ich je gemacht habe! Ich habe neben normaler Büroarbeit auch im Marketingbereich mitgeholfen und durfte u.a. an der Produktion von Plakaten und Speisekarten mitwirken.

Da ich mich dort super eingelebt hatte, fiel es mir auch sehr schwer, Anfang Juli schon weiterzufahren, aber ich musste mich ziemlich beeilen und in 3 Wochen die Ostküste hochfahren. Diese Zeit war sehr spaßig und ich habe eine Menge netter Gleichgesinnter kennen gelernt, ja sogar Freunde für 's Leben gewonnen! 4WD Touren, Segeltrips und Skydiven sind nur wenige von unzähligen Aktivitäten, die man in Australien machen kann. Geld ausgeben geht daher sehr schnell und man sollte genau überlegen, was man unbedingt machen möchte und auf was man eher verzichten kann.

Auf dem Rückflug nach Hause habe ich noch eine Woche in Bali Urlaub gemacht und die wunderbaren Menschen und ihre Kultur erfahren dürfen.

Nun bin ich seit 10 Tagen wieder in Deutschland und genieße den "Jahrhundertsommer" hier, der es um einiges leichter macht, sich wieder an das ernste Deutschland zu gewöhnen.

Alles in allem hatte ich einfach die beste Zeit meines Lebens! Ich habe sehr viel über mich selber gelernt und finde, dass es bei all dem Reisen im Endeffekt eher darauf ankommt, mit wem man zusammen ist als auf den Ort, wo man sich gerade aufhält.

Für alle Wagemutigen in diesem Sinne viel Glück, Ideenreichtum und Offenheit. Erwartet nicht zu viel, geht auf andere zu, relaxt und fragt nach Hilfe, wenn ihr sie braucht und rechnet auch mit schlechten Zeiten, denn an denen kommt keiner vorbei.

Bis denn dann, eure Annabelle
 
 

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