halloHome
halloWir über uns
halloNews
halloInformationen
Australien
Frankreich
Großbritannien
Irland
Italien
Kanada
Schweden
Spanien
Ungarn
USA
Mehr Länder auf
  career-contact.net

halloAktuelles Thema
Work and Travel
Freiwilliges Jahr
hallocareer-contact TV
halloProgramme
Work & Travel
Auslandspraktikum
Praktikum
      & Sprachkurs

Hotelarbeit
Freiwilligenarbeit
Mehr Programme
    auf career-contact.net

halloaktuelle Jobs in...
Australien
Dänemark
Frankreich
Großbritannien
Irland
Italien
Kanada
Neuseeland
Schweden
Spanien
USA
hallomehr Jobs
& Anzeigen

halloLänderlinks
Europa
Weltweit
halloErfahrungsberichte
halloVorbereitung
Andere
     Versicherungen

Sprachreisen
Highschool -
      Vermittlung

Bücher
halloKontakt
halloImpressum
halloMehr Infos auf
  career-contact.net

Druckversion
Hinweis:

Sie sehen eine ältere Version des Informationsangebots von career-contact. Unsere aktuelle Seite finden Sie hier:

career-contact.net

  
Copyright © 2010 career-contact.net, Alle Rechte vorbehalten.


Als freiwilliger Helfer in Togo - ein Erfahrungsbericht aus Afrika

Christof Bühler war als freiwilliger Helfer in Togo und anderen Ländern Westafrikas. Hier ist sein Bericht: 
 

"Togo ? Wo liegt das überhaupt ? Noch nie davon gehört." Genau dieses hatte ich mir auch gesagt, als ich zum ersten Mal davon las. Auf der Weltkarte wurde ich dann fündig. Ein kleiner Streifen, der sich neben Ghana (Westafrika) befand, nannte sich Togo.

"Und was ist damit ? Was willst du da in Togo ?" hörte ich den einen oder anderen sagen. V.a. Lehrer konnten sich damals nicht vorstellen, was ich dort wollte. Aber ich nahm mir vor es durchzuziehen, sobald ich mein Abitur hatte.

Traumhafter Strand von Aneho (Grenzstadt zu Benin)

Traumhafter Strand von Aneho (Grenzstadt zu Benin)


Ja, was wollte ich denn ? Zu Beginn des zwölften Schuljahres begann ich mich zu fragen, was ich nach dem Abitur machen wollte.  Und da sich dann bald herausstellte, dass ich zu den glücklichen "T5" Leuten gehöre, war für mich klar, dass ich meinen Schulkameraden ein Jahr voraus hatte, denn diese mussten Wehr- oder Zivildienst leisten. Und da ich nicht gleich studieren wollte, überlegte ich mir, was ich stattdessen machen könnte.

Und dann kamen mir wieder meine Kinderträume in den Sinn: Afrika, das Land voll rotem Sand, tanzenden Eingeborenen, lachenden Kindern und ich mittendrin.

Und schliesslich, warum denn nicht ? Warum meinen Wunsch nicht in Erfüllung gehen lassen ? Wenn ich mal in meinem Job drin bin, kann ich nicht mehr reisen. Auch während des Studiums werde ich keine Zeit dafür haben. Und reiselustig war ich schon immer.

Zweifel hatte ich keine, ich machte mir auch keine Gedanken darüber, was ich dort wirklich machen würde. Ich war eben zunächst so begeistert von der Idee, dass ich alles andere darüber hinaus vergass.
Ich begann mich also zu informieren und merkte relativ bald, dass es sehr schwierig ist an die richtigen Informationen zu kommen. Organisationen gibt es viele, jede bietet etwas anderes an, doch was könnte das Richtige für mich sein ?
 
Ich stellte mir vor, etwas Soziales zu tun, dabei möglichst in der Landwirtschaft oder Natur zu arbeiten. Ich wollte nicht herumreisen und Spass haben, sondern mir ging es darum, eine ganz andere Welt und auch deren Kultur kennen zu lernen.
Informationen holte ich unter anderem beim Arbeitsamt oder z.B. im Internet.

...
 
Am Ende blieben nicht mehr viele übrig, und letztlich musste ich feststellen, dass das Ganze doch teurer wurde als ich angenommen hatte.

Ich möchte hier noch erwähnen, dass hier enorme Eigeninitiative gefordert wird; wer denkt, es gäbe Institutionen, welche einem bei der Suche behilflich sein würden, liegt definitiv falsch. Wer etwas Soziales leisten will, ist deswegen keineswegs willkommener als andere. Eine eigentlich traurige Erkenntnis, die natürlich nur mein persönlicher Eindruck ist, allerdings haben mir die anderen Freiwilligen Ähnliches erzählt.
Somit war es auch dürftig, was ich an Informationen bekam.

Nur um Euch eine Vorstellung davon zu geben:
Von 6 Organisationen, die ich angeschrieben hatte, bekam ich von einer innerhalb einer Woche Informationsunterlagen, 2 weitere folgten 2 Wochen später. Die restlichen 3 musste ich nochmals anrufen und um Info-Material bitten. Daraufhin durfte ich nochmals 2 Wochen warten, bis ich von einer Organisation etwas bekam, danach folgten wiederum 3  Wochen bis zum nächsten Brief. Von der letzten habe ich bis heute keine Nachricht bekommen !

Und was Infomaterial betrifft: Lediglich Experiment e.V. schickte mir ausführliche Informationen darüber, wie die Projekte ablaufen, was ich tun würde, wo ich wohnen würde und wie es dort überhaupt aussah ( (^=). Von 3 Organisationen bekam ich mehr oder weniger ausführliche  Infoflyer, und eine davon besass sogar die Unverschämtheit, mir lediglich einen Schnipsel zu schicken, auf dem ein Internetlink angegeben war (auf dem letztlich allerdings nichts wirklich Wissenswertes zu finden war !).
Wenn ihr also mit gutem Vorsatz an die Sache rangeht, merkt Ihr erst mal, auf wie grosse Resonanz das heutzutage noch stösst. Aber lasst Euch nicht entmutigen, wenn Ihr so etwas machen wollt. Letztlich macht sich so was sehr gut in einer Bewerbung.

Mein Tipp: Holt Euch so viele Informationen wie möglich. Lasst Euch nicht abwimmeln, wenn Ihr Infos haben wollt. Schreibt Euch Adressen auf von möglichen Kontaktpersonen, fragt Leute, die bereits so was gemacht haben, nach Infos. Fragt in Landes- oder Bundesinstitutionen nach, z.B. beim Bundesamt für Zivildienst oder beim Forschungs- und Entwicklungsministerium. Adressen haben die immer !
Und ganz wichtig, wenn Ihr nach Infos im Netz sucht: Das I-Net bietet sicherlich viele Infos. Aber Ihr müsst sie auch richtig bewerten, nicht alles kommt da in Frage. Je mehr Infos ihr besitzt, einen desto besseren Aufenthalt werdet Ihr nachher haben. Fragt auch Leute, wie sie diese Infos bewerten würden !


Letztlich entschied ich mich dann für die Organisation Experiment e.V., weil es die einzige Organisation war, bei welcher es Projekte in der Natur gab. Und es war dann die einzige Möglichkeit in Afrika. (Anm.: Es gibt sicherlich noch mehr Organisationen, die solche Projekte anbieten; ich habe hier sicherlich nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft)

Ausserdem war es möglich, vor Ort einen Sprachkurs zu bekommen, denn die Landessprache ist Französisch, und ich konnte kein Wort Französisch; ich hatte es auch nicht in der Schule ! Aber für die Projektarbeit war dies nicht vorgeschrieben und somit für mich kein Hindernis.

Den Projektbeginn konnte ich selbst bestimmen,  und ich entschied mich für den 26.Juli 2003, also kurz nach dem Abitur. Die Programmdauer betrug für mich 6 Monate, hier konnte man aber auch wählen, wie lange man dort bleiben wollte.

Den Flug musste ich natürlich relativ früh buchen, denn wer fliegt denn schon nach Togo ? (Halbes Jahr vorher, wenn Ihr im Sommer fliegt)
Und hier kam schon das nächste Problem. Es gab nur wenige renommierte Airlines, die nach Togo flogen. Am öftesten von den europäischen flog die Air France, und ich buchte den Flug also für diesen Termin.

Im Juli war es dann soweit, ich flog tatsächlich nach Togo und war natürlich furchtbar nervös. Meist wird einem das erst kurz vorher bewusst, was man da eigentlich gemacht hat. Afrika, das war ewig weit weg, eine ganz andere Kultur. Auf dem Hinflug quälten mich schon viele Fragen, und ich war mir auch nicht mehr sicher, ob ich mich richtig entschieden hatte.
Doch ich sollte nicht enttäuscht werden.

Früh morgens flog ich los, spät abends kam ich in Lomé an. Als ich aus der Maschine stieg, bliess mir zum ersten Mal eine feuchtwarme Luft entgegen. Um Himmels Willen, dachte ich, und diese Hitze soll ich jetzt ein halbes Jahr ertragen ? Ich schwitzte furchtbar, nicht nur wegen der Wärme, sondern auch, weil mir noch die Zollkontrolle bevorstand, und ich auch nicht wusste, ob jetzt tatsächlich alles klappen würde.

Als ich auch diese Hürde hinter mir gelassen hatte, warteten draussen schon Horace, der Präsident unserer Partnerorganisation "Campagne des Hommes" und sein Freund Claude, die mich gleich herzlich begrüssten. Wir fuhren zunächst einmal nach Lomé hinein, um dort zu übernachten, denn nachts in das 100km entfernte Kpalimé zu fahren, wäre zu gefährlich.

Ich versuchte mich auf Englisch mit den beiden zu unterhalten, doch leider sprachen sie beide nicht so gut Englisch. Eines fiel mir relativ bald auf: Wir Europäer schätzen die Afrikaner viel jünger ein als sie sind. So hätte ich auch nie gedacht, dass unser Präsident schon 35 ist, ich hätte ihn beim ersten Mal nicht älter als 20 geschätzt ! Doch man gewöhnt sich daran. Genauso, wie man früher oder später die Afrikaner untereinander unterscheiden kann.

In Kpalimé angekommen wurde ich zunächst mal meiner Gastfamilie vorgestellt, bei welcher ich das nächste halbe Jahr bleiben sollte. Doch diese war zunächst gar nicht da, und so musste ich erst einmal eine Weile warten. Doch relativ bald trafen sie ein (mit ein paar anderen Freiwilligen), und wir konnten uns bekannt machen.
Ich hatte wirklich ein Wahnsinnsglück, bei "Richard" (mein Gastvater) unterzukommen, denn es stellte sich bald heraus, dass er ein unglaublich lustiger und sozialer Mensch war. So spielte wir des öfteren Fussball, schauten Videos an oder unterhielten uns einfach nur.  

Meine Gastfamilie...

Meine Gastfamilie...

Seine Familie bestand aus Terese, seiner Frau und deren Sohn Dominique, der 1 ½ Jahre alt war und gerade das Sprechen lernte. Dazu noch : Rita, die Tochter von seiner anderen Frau, die in Lomé lebte, aber während meines Aufenthaltes leider verstarb, Basile, der Sohn seiner Schwester und Shane, die Tochter der Schwester seiner Frau Terese.
Ansonsten wohnten noch bei uns Simon und später noch 2 weitere Freiwillige.

Also, noch mal von vorne, denn diese 2 Themen sind für uns Europäer schwer verständlich:
In Afrika herrscht Polygamie, und es wird dort als völlig normal betrachtet, dass ein Mann 2 oder 3 Frauen hat. Zunächst erscheint einem das als sehr ungerecht, doch mit der Zeit lernt man eben das afrikanische Leben kennen und gewinnt vielleicht einen neuen Eindruck. Meine Meinung ist, dass es nicht unbedingt ungerecht ist. Im Vergleich zu Europa, wo eben eine Emanzipierung stattfand, gibt es in Afrika dieses Bestreben (noch) nicht. Allerdings ist das auch nicht schlecht, und man darf es auch nicht verallgemeinern. In unserer Gastfamilie war es nicht so, Richard half des öfteren bei den Küchenarbeiten und bezog Terese im Gegensatz dazu auch in Entscheidungen des Alltags mit ein.

Was eben den Unterschied zu Europa ausmacht, ist, dass in Afrika eine klarere Arbeitsteilung vorherrscht. Während also der Mann über das Haus und all die bürokratischen Angelegenheiten verfügt, hat die Frau z.B. über die Küche alle Kompetenzen. D.h. hier hat der Mann nichts zu sagen. Aber das kann man so und so sehen, es kommt auch auf die Region an, wo man ist.
 

Eine Familie aus der riesigen Verwandtschaft...




 

     Eine Familie aus der 
     riesigen Verwandtschaft...








 
Das andere ist, dass die afrikanische Verwandtschaft so gross und so weit verbreitet ist, dass dem Normaleuropäer völlig der Durchblick fehlt.
Um das zu verdeutlichen: ich habe eines Tages mit einem Afrikaner eine Motorradtour gemacht, und wir haben so an die 20 Dörfer abgeklappert, und in jedem Dorf kannte er jemanden oder hatte dort Verwandte. Als wir abends zurückkehrten, hatte ich wahrscheinlich immer noch nicht alle kennen gelernt. Und überall wurde ich herzlich begrüsst von seinen Verwandten. Ich hatte den gesamten Tag so viele Menschen kennen gelernt wie in meiner gesamten Schulzeit.


Doch zurück zur Erzählung. Als ich also meine neue Familie kennen gelernt hatte, musste ich zunächst etwas Negatives feststellen. Die Organisation, welche hier also die Projekte leiten sollte, war alles andere als organisiert.

Chaotisch bis zum letzten Tag, wenig Transparenz in das normale Alltagsverhalten und die Arbeitsweise eben typisch afrikanisch, wie manche sagten.

Denn es folgte am nächsten Tag ein Ausflug in ein nahegelegenes Dorf, namens Agou-Nyogbo. Dort traf ich dann endlich einmal auf andere Freiwillige, mit denen ich mich unterhalten konnte. Allerdings, das war schade am gesamten Aufenthalt, kamen bisher nur Freiwillige aus Deutschland und nicht aus der ganzen Welt. Besser wäre sicher gewesen, auch auf andere Nationalitäten zu treffen.

Was die Organisation auch nicht besonders ausgezeichnet hat, war, dass wir im November fast 20 Freiwillige waren, und das ist einfach zu viel. Mann konnte sich schon irgendwie wie in einer Art Kolonie fühlen.

Aber für mich erwies es sich zunächst als Vorteil, traf ich doch hier auf Simon, der sehr gut Französisch sprach und mir so vieles übersetzen konnte. Das war eine grosse Hilfe für mich, auch für die weitere Zeit.
Doch was sollten wir in diesem Camp ? Ich hatte mich ja für die Feldarbeit eingetragen, und laut Programm sollte ich zunächst auch erst mal einen Sprachkurs absolvieren. Denkste !

Der Grund, warum ich in das Camp kam, war, dass wir dort als Lehrer in einer Schule unterrichten sollten. Das war sehr ärgerlich für mich, denn erstens : Wie soll ich irgendetwas unterrichten, wenn ich noch nicht einmal die Sprache beherrsche ? Und zweitens wollte ich absichtlich nicht als Lehrer arbeiten, denn ich glaube als Pädagoge eher nicht geeignet zu sein. Aber alle Erklärungsversuche halfen nichts; und der Präsident, der eigentlich Verantwortliche, schien sich wenig darum zu kümmern, während dieser 3 Wochen sah ich ihn auch fast nie.

Mein bester Freund Mark, der immer lernfreudig war...

Mein bester Freund Mark, der immer lernfreudig war...

Nun denn, mir blieb ja nichts anderes übrig, als das Beste aus meiner Situation zu machen. Ich unterrichtete tatsächlich, das einzige, was ich konnte und beibringen könnte - Englisch.

Das ging auch ganz gut, auch wenn es für die Schüler schwierig war, das zu verstehen, aber ich hatte immer einen Lehrer dabei, der das dann ins Französische übersetzte, wenn ich irgendwann etwas nicht verständlich machen konnte. Letztlich hat es aber auch Spass gemacht, auch wenn ich jetzt sicher weiss, dass ich nie Lehrer werden will. :-D Nach diesen 3 Wochen kehrten wir zurück nach Kpalimé, doch ich sollte noch ein paar Mal nach Agou-Nyogbo kommen.

Dann begann endlich mein Sprachkurs, und parallel dazu lernte ich "Ewe", das ist der afrikanische Dialekt, der dort gesprochen wird. Hier begann auch gleich meine erste Arbeit.

Denn wie es der Zufall wollte, hatte "Campagne des Hommes" (CDH) von einer deutschen Organisation ein paar ausrangierte Computer bekommen, und diese standen nun hier und verstaubten. Da ich ja sowieso noch keine Projektarbeit leisten konnte, weil diese grundsätzlich vormittags stattfand, hatte ich nichts zu tun. Da ich mich auch in Deutschland viel mit Computern beschäftigt hatte, machte ich mich daran, die PC's instand zu setzen. Voller Freude bemerkte ich dann auch bald, dass viele virenverseucht waren oder sonstige Probleme hatten.
Ich hatte also für die ersten paar Wochen etwas zu tun, und diese Arbeit brachte mir auch bald den Namen "le technicien" ein.
 

Mein Französischlehrer André und ich...








     Mein Französischlehrer
     André und ich...







 
Mein Französisch-Lehrer war ein Afrikaner, und ich verstand mich mit ihm sehr gut, obwohl er ein eingefleischter Adventist war, und ich ein überzeugter Atheist bin. :-D
Der Unterricht fand immer ausserhalb des Gebäudes statt und war daher sehr naturverbunden. Der einzige Nachteil war, dass neben uns eine Moto-Werkstatt lag, die eben ab und zu enormen Lärm machte.
Nach Ende meines Sprachkurses begannen wir ( ausser mir noch 3 andere Freiwillige) eine kleine Reise durch den Norden von Togo, dem Halb-Wüstenstaat Burkina Faso und in das ebenfalls tropische Ghana.
Auf der Reise erlebten wir eben das typisch afrikanische Leben. Stressig, aber landschaftlich sehr schön und interessant.

Das fängt an mit einem Bus, der 6 Std. Verspätung hat, einer von uns als Bar umfunktionierten Tankstelle, ein Bus, der aus dem Sand geschoben werden muss und 100 Meter weiter einen Kupplungsschaden hat (mitten in der Wüste), einer durch Motos völlig vernebelten und leider auch sehr schmutzigen Hauptstadt Ouagadougou, einer Kameltour durch die Wüste, einer 3-Tage langen Schiffsfahrt für umgerechnet nur 3 Euro oder einem Nationalpark ohne Tiere. Alles in allem aber sehr interessant und gar nicht so teuer.

Nach unserer Rückkehr begann dann endlich meine eigentlich Arbeit - die Feldarbeit. Und hier war ich meistens der einzige Frewillige, denn die Arbeit ist auch sehr anstrengend. Die meisten anderen arbeiteten in Schulen. Es ist immer sehr heiss auf dem Feld, und die Sonne brennt auch ziemlich; für mich war es allerdings genau das Richtige. Ausserdem ist es z.B. schon anstrengend 3 Std. lang ständig gebückt auf einem Feld Bohnen zu sammeln.

Mit dem Coupcoup durch den Dschungel...

Mit dem Coupcoup durch den Dschungel...

Die schönere Arbeit war dann, mit dem Coupcoup (sieht aus wie eine Machete) sich durch den Dschungel zu schlagen. Hierbei musste man auch auf die Technik achten, denn sonst hat man sehr schnell Blasen an den Händen (Innerhalb von 10 Minuten). Das Ziel war es, ein paar völlig zugewachsenen Bäumen wieder Sonnenlicht zu verschaffen, damit diese wieder wachsen können. An diesen sollte sich dann Pfeffer hochranken, der schliesslich verkauft werden soll und der Erlös kommt der Organisation zugute.

Das war dann für die restliche Zeit mein Hauptjob, aber ich kam noch auf mehr Arbeit. In der Zwischenzeit kamen auch viele andere Freiwillige, und einer von ihnen übernahm den Job eines Sportlehrers. Dann sollte er irgendwann noch eine Fussballmannschaft trainieren. Da er aber kaum Ahnung vom Fussball hatte, bin ich eingesprungen und hab ihn unterstützt.  Letztlich war ich auch hier wieder Pädagoge, aber was soll's. Jedenfalls hat es sehr Spass gemacht, eine afrikanische Mannschaft zu trainieren, wenn der Erfolg zunächst auch ausblieb :-D

Doch ich durfte noch mehr Trainingspläne erstellen. Und zwar für unsere weiblichen Freiwilligen, die ich zu einer Mannschaft umfunktionieren sollte. Denn wir sollten für einen sozialen Zweck gegen eine afrikanische Frauenmannschaft spielen.

Es begann alles sehr lustig, auch wenn ich zu Beginn mir als Trainer mir lieber die Augen zuhielt. Doch mit der Zeit entwickelte sich die typische weibliche Emanzipation, und einige Spielerinnen wurden richtig gut. Leider kam es aber nicht zu diesem Spiel, da sich keine afrikanische Frauenmannschaft mit uns messen wollte, und die Profimannschaft war uns eindeutig zu robust.

Somit war die restliche Zeit ausgefüllt, und folglich fiel mir der Abschied äusserst schwer. V.a. von meiner lieben Gastfamilie, aber auch von den vielen Menschen und den anderen Freiwilligen, die allesamt sehr nett waren.


Das also zu meinem Aufenthalt. Jetzt erzähl ich noch ein bisschen über das afrikanische Leben und über meinen Hauptaufenthaltsort Kpalimé.

Nur zum Vergleich: Ich stehe neben einem kleinen, nicht ausgewachsenen Bananenbaum !

     Wie soll man die afrikanische Mentalität
     erklären ? Am besten erfährt man sie
     dadurch, indem man sie selbst erlebt.
     Jeder macht sich selbst sein Bild davon.
     Für mich sind die Afrikaner lebenslustige
     Menschen, die sich weniger um ihre
     Zukunft sorgen als Europäer. Jeder
     Afrikaner möchte zwar in Deutschland
     oder Amerika leben, aber sie sind
     dennoch zufrieden mit dem, was sie
     haben. Und ich hoffe, dass die
     afrikanischen Staaten nie so werden wie
     die Europäer. Denn, ich habe bis jetzt
     noch kein Volk erlebt, dass so fröhlich
     und ausgiebig feiern kann wie die
     Afrikaner. Da wird den ganzen Tag zum
     Beispiel auf einer Bongo-Trommel 
     gespielt, was ein Europäer keine 30
     Minuten am Stück spielen kann.




Nur zum Vergleich: Ich stehe neben
einem kleinen, nicht ausgewachsenen 
Bananenbaum !

In Afrika nimmt man sich auch Zeit. Ein Togolese sagte einmal:

"Ihr Deutschen habt die Uhr, wir Afrikaner die Zeit".

Und man merkt schnell, dass dies tatsächlich so ist. Allerdings nicht, wie viele annehmen, dass die Afrikaner unpünktlich sind. Im Gegenteil: Besonders in Bezug auf ein Treffen mit einem Weissen, wird auf Pünktlichkeit besonderen Wert gelegt. So schimpfte beispielsweise ein Afrikaner  mit mir, weil ich statt um 20.00 um 20.01 zum verabredeten Treffpunkt kam.
 

Ein völlig überladener aber trotzdem fahrender Bus...

Ein völlig überladener, aber trotzdem fahrender Bus...
 

Aber, um das Zitat zu erklären, die Afrikaner nehmen sich die Zeit für das, was sie tun. Wenn dann z.B. gefeiert wird, dann wird auch richtig gefeiert, mit Musik, Getränken und gutem Essen.

Hier kann ich gleich etwas anderes erwähnen. Die Afrikaner stehen morgens z.T. schon um 4 oder 5 Uhr auf. Dann beginnt erst einmal das allseits beliebte Fegen der Wohnung oder des Hofs. Und dies wird auch lautstark gemacht, denn Singen erhält die Freude im Leben. Mich hat es natürlich weniger gefreut, vor allem, wenn ich noch schlafen wollte. :-D
Dafür gehen die Afrikaner aber auch spätestens um 10.00 Uhr ins Bett. Das ist vor allem für uns Europäer ungewöhnlich, beginnt doch bei uns der Abend erst dann. Schade ist das vor allem dann am Wochenende, weil eben auch keine Bar länger als 10.00h offen hat. Und wer nicht gehen will, wird dann eben rausgeschmissen :-D

Die Bars in Togo sind klasse. Nicht nur, dass man im Zentrum und etwas ausserhalb fast alle 30 Meter eine findet, sondern auch weil sie meist an der Strasse liegen und man direkten Ausblick auf das afrikanische Leben hat. Viele Leute sitzen nicht in der Bar; es kann sich eben nicht jeder leisten. Somit hat man allerdings auch seine Ruhe und kann sich unterhalten. Wobei das auch nicht auf jede Bar zutrifft, denn bei vielen gibt es auch noch Musik, die zwar sehr schön ist, allerdings auch so laut , dass man schreien muss, um sich untereinander zu verstehen.

In der Bar selbst wird man sich allerdings wohlfühlen, vor allem Deutsche, findet man hier doch tatsächlich mehr als 10 verschiedene Biersorten. Unter anderem auch das deutsch gebraute "Eku". Und all die Biertrinker (Ich bin keiner) haben mir bestätigt, dass alle Sorten sehr gut schmecken würden. Es gibt auch Guinness. Das findet man auch in Burkina Faso. Hier habe ich mich sowieso immer wieder gewundert, wie es möglich ist, dass es dort riesige Bars gibt mit enorm vielen Getränken, wo dieser Staat doch ein Halbwüstenstaat ist.

Ausserdem gibt es auch dort den berühmten "Sodabi". Diese Art Schnaps wird aus Palmwein gewonnen und wird praktisch bei jedem Fest getrunken. Ob man will oder nicht :-D. Denn sobald man zu einem dieser Feste hinkommt, wird einem das vorgesetzt.
Allerdings ist es hart, und man muss sich daran gewöhnen. Doch es schmeckt sehr gut mit der Zeit, man muss da schon fast aufpassen nicht zum Alkoholiker zu werden...:-D

Jetzt bin ich ein bisschen abgeschweift, aber ich erzähl noch von Kpalime. Allem voran der Markt. Der ist wirklich wunderschön, eben typisch afrikanisch. Man findet alles da. Obst und Gemüse (was sowieso viel besser schmeckt als in Europa), z.B. riesige Papayas (kein Vergleich zu der Minipapaya in Deutschland), kleine süsse Bananen, Kochbananen (lecker), Mango etc. Dann gibt es das Hauptnahrungsmittel Ingnames (frz), Manjok, und Bohnen. Trotzdem kriegt man alles andere auch, wie Kartoffeln, Karotten, grüne Bohnen, Erbsen etc.
Was auch viel gegessen wird, ist Fisch. Aber frisch und superlecker, wenn er gebraten ist.

Ein Blick auf den Markt von Kpalimé

Ein Blick auf den Markt von Kpalimé

Aber man findet eben wirklich alles: Zahnbürsten, Walkmans, Batterien, Adidas-Schuhe, Fussballtrikots, CDs und Kassetten, Seife, Shampoo, Kekse, Bonbons, Sahne usw. Nur eines gibt es nicht:  gute Schokolade :-D

Und ansonsten sind die Afrikaner berühmt für ihre schönen Stoffe. Man findet eine riesige Auswahl an verschiedenen Stoffen; man möchte am liebsten den Markt leerkaufen. Leider ist das Foto nichts geworden...Sorry.

In Kpalimé finden sich neben den Geschäften auch ein paar Internetcafes, was aber gar nicht mal so billig ist. Und man findet z.B. auch Büros des DED.

Landschaftlich eignet sich Kpalime auch gut für Wanderungen, wohin auch immer. Auch wenn es in Togo keine richtigen Strassen gibt, sie sind eher holprig und steinig, so findet man ausserhalb von den normalen Strassen doch gute Strassen, die sich hervorragend für Touren mit den Fahrrad oder dem Motorrad eignen (kann man mieten).

Interessant ist auch, wenn man weiter ins Land hineinfährt, dass es doch grosse Unterschiede gibt. So sind die Dörfer manchmal ganz anders aufgebaut, oder es herrschen andere Machtstrukturen. Meist sind die Dörfer dann primitiver gebaut, und die Menschen leben dort viel einfacher. Das trifft natürlich auch auf die Schulen zu. Die meisten sind freiluftige Räume, und es stehen nur ein paar Bänke drin. Andere bestehen nur aus einem mit getrockneten Gräsern abgedeckten Dach und. Aber das Schöne ist, wo man auch hinkommt, man trifft überall freundliche Leute, die sich freuen einen zu sehen und einen herzlichst begrüßen.

Eine afrikanische Schule...







 

     Eine afrikanische Schule...







Tja, was haben wir eigentlich gegessen ? Wie bereits gesagt, gibt es sehr viel mit Ignames, die ähnlich schmecken wie Kartoffeln.  Typische afrikanische Essen sind z.B. Pate oder Fufu. Pate ist z.B. aus Ignames gestampfter Brei, den man dann in eine Sauce tunkt. (Mit den Händen natürlich). Ansonsten haben wir viel Bohnen und Fisch gegessen.

Ich war aber auch in einer besseren Familie, d.h. sie waren fortschrittlicher als z.B. andere Familien, weil sie einfach schon Erfahrung mit anderen Freiwilligen hatten, die vor mir bei ihnen gewohnt hatten. Ansonsten gab es häufig Bohnen oder Fisch, immer mit einer Sauce. Aber manchmal kochte Terese uns zuliebe richtig europäisch, und es schmeckte immer hervorragend.

Das Lieblingsessen aller Freiwilligen ist und bleibt aber "Coulicou". Die werden aus Ignames gemacht, geschnitten und gekocht und meist mit Gemüse (Bohnen, Karotten und Zwiebeln) serviert. Sehen also aus wie Pommes. Aber....SUPERLECKER ! Kein Vergleich zu irgendwelchen deutschen Pommes. Wer das ein paar Mal gegessen hat, taucht nie wieder beim Mac Donalds auf...

An Obst haben wir viel Ananas, Papaya und Bananen gegessen. Und Orangen. Die sind in Afrika grün und schmecken viel süsser. Auch unvergleichlich gut.  Ansonsten kann man in Afrika noch Kokosnüsse, Kakao oder Kaffee finden.

Aber bei all den schönen Dingen, muss ich leider jetzt auch die negativen Seiten erwähnen.

Etwas, was die meisten Freiwilligen hier gestört hat, war der Ausruf "Jovo".  Der Begriff bedeutet "Weisser", und damit wird man sehr oft angesprochen. Das kann man sich nicht vorstellen, aber wenn man wirklich tagtäglich von irgendwelchen Leuten "Jovo" hinterhergerufen bekommt, ist das echt nervig. Die meinen es ja nicht böse, sie freuen sich eben, wenn sie einen Weissen sehen. Vor allem auch die Kinder. Aber wir haben ja auch einen Namen und heissen eben nicht "Jovo". Und vor allem wird man einfach von wildfremden Leuten so angesprochen, ohne dass sie irgendetwas wollen. Das ist schwierig zu verstehen, das kann man nur nachvollziehen, wenn man es selbst erlebt hat. Aber wir rufen in Deutschland ja auch nicht jedem Farbigen "Schwarzer" hinterher, wir wären gleich wieder rechtsradikal.  Aber nun gut, mit der Zeit muss man das versuchen zu ignorieren.

Ein weiteres Problem, was eben vor allem wir Deutsche schlimm empfinden, ist das Umweltbewusstsein. Riesige Müllberge, keine Mülltrennung oder geregelte Müllabfuhr. Stattdessen wird der Müll verbrannt. Besonders bei Plastik ist das schrecklich. Aber in den Grossstädten ist das noch schlimmer, Überall Müllberge, es stinkt grauenhaft, Kinder die im Dreck spielen, um nur einiges zu nennen. Umso mehr hat es mich verwundert, dass ausgerechnet der Strand so sauber wie nirgendwo sonst auf der Welt war... Und in Togo gibt es noch nicht mal viel Tourismus.

Was dann noch als traurige Sache dazukommt, ist, dass die Menschen dort sehr arm sind. Vor allem bei Krankheiten besteht für die wenigsten die Möglichkeit, sich Medikamente o.ä. zu kaufen. Es gibt zwar Apotheken, aber die haben meist nur wenige Produkte, manche auch schon nach dem Verfallsdatum. Auch die Ausbildung der Ärzte ist meist nicht so gut, es gibt wenige. Und wenn es gute gibt, dann gehen sie meist ins Ausland, weil sie dort besser verdienen. So traurig das ist, aber die erste Frage an einen Afrikaner, wenn er verletzt am Krankenhaus auftaucht, ist, ob er die Behandlung bezahlen kann. Denn sonst wird nicht geholfen.

Oder dann z.B. auch die Aufklärung über Krankheiten, die über sexuellen Kontakt übertragen werden. Das geschieht sehr wenig, von staatlicher Seite aus gar nicht. Das bleibt dann den Hilfsorganisationen überlassen, also uns. Auch wir hatten so etwas gemacht.

Was die Bildung betrifft, steht es ebenfalls schlecht um die Togolesen. Das Paradoxe an der Sache ist: Es besteht Schulpflicht, andererseits muss Schulgebühr bezahlt werden. Somit herrscht immer Ungerechtigkeit an der Schule, weil diejenigen, die kein Geld für die Schule haben, trotzdem am Unterricht teilnehmen müssen (dürfen).

Durch Mark, meinen besten Freund in Afrika, bekam ich die Situation live mit. Die Studenten streikten des öfteren an der Universität, weil von ihnen unbezahlbare Studiengebühren verlangt wurden. Sie streikten, dann kamen Soldaten und verprügelten sie, und letztlich wurden die Studiengebühren noch höher. Den Togolesen wird damit jede Möglichkeit genommen, sich zu entwickeln.
Ich habe ihm noch mein letztes Geld gegeben, bevor ich zurück nach Deutschland flog und hoffe, ihn irgendwann einmal hier in Deutschland zu sehen...


Ich könnte hier noch stundenlang schreiben, aber irgendwo muss man halt nen Punkt machen.
Togo war für mich ein schönes Land, und ich habe durch meinen Aufenthalt so viele unvergessliche Erfahrungen gemacht, die ich nie missen möchte.
Ich kann nur sagen - Schaut es Euch selbst an und überzeugt Euch von der Schönheit Afrikas.


by Christof Buehler / 2004
 

zur Übersicht Erfahrungsberichte


 
 

Suche
Heute ist der

Bookmark and Share


NEU 2010 GRATIS-Katalog praktikawelten: Freiwilligenarbeit, Arbeiten und Reisen, Auslandspraktika. Jetzt anfordern.

praktikawelten-katalog



Jump100 - Die Startseite

Bestsellerlisten.info